5. – 10. Schuljahr

Gisela Hollmann-Peissig, Thomas Michl

Soll sich Elsa von digitalen Programmen im Kunstunterricht helfen lassen?

Elsa soll im Kunstunterricht einen Comic zeichnen. Wie gut, dass es da auf ihrem Smartphone „Comicmaker gibt, eine App, die das Herstellen von Comics deutlich erleichtert.

Digitale „Abkürzung
Kein lästiges Zeichnen der Panels mehr, denn hier macht Elsas App viele Vorschläge. Mit einem Klick hat die Schülerin ein breites Querformat, ganz wie sie will. Figuren mühsam entwerfen? Braucht sie nicht. Sie fotografiert Freunde und lässt die Fotos mit einem Klick in Comicfiguren verwandeln. Die Farbfelder sind natürlich beliebig austauschbar. Das Gleiche macht sie mit Sprechblasen und Schriftzeilen und fertig ist ein Comic, der professioneller kaum aussehen kann! Aber kann dieses Ergebnis das Ziel von Kunstunterricht sein? Geht es in Kunst nicht auch darum, einen Prozess zu verstehen? Täuschen digitale „Abkürzungen nicht über einen mangelnden Lern- und Erfahrungsprozess hinweg?
Apps ermöglichen die Erstellung frustrationsfreier Ergebnisse
Einen Film zu erstellen, ist genauso einfach: Das Gratis-Programm „Filmmaker auf dem Tablet hat eine Trailer-Funktion: ein paar Fotos oder Filmausschnitte nach Anweisung in die App kopieren und auswählen, ob der Film gruselig, lustig, romantisch oder spannend sein soll. Nach kaum einer halben Stunde ist der Film fertig. Wie von Zauberhand scheinen die Bilder und die unterlegte Musik zusammenzupassen und das Ergebnis ist beeindruckend. Und warum auch nicht? Schließlich kann man ja z.B. auch mit dem Programm „Musicmaker ohne viel Zutun ganze Musikstücke komponieren. Das lästige und mühevolle Lernen von handwerklichen Techniken des Zeichnens, Filmemachens oder das Üben eines Instrumentes fallen weg. Endlich können Schülerinnen und Schüler sich ganz auf die Inhalte konzentrieren, ohne immer auf die korrekte Ausführung der analogen Verfahren schielen zu müssen. Sie können sich den fast immer erstaunlich guten Ergebnissen widmen und müssen keine Frustrationen mehr erleben. In der Bildenden Kunst findet man vergleichbare Vorgehensweisen sogar unter den Superkunststars: So lässt z.B. Jeff Koons technisch komplizierte Werke von Spezialisten fertigen. Der Künstler ist allein für die Idee, nicht mehr für die technische Umsetzung zuständig. Übrigens ein Gedanke, der auch den Künstlern der Renaissance nicht fremd war.
Sich Dinge anzueignen kostet von jeher Zeit und Mühe. Oft ist dies mit Frustration und Erlebnissen des Scheiterns verbunden. Der Weg zur technischen Perfektion ist immer lang und steinig. Was also sollte der Nutzen einer solchen Prozedur sein?
Macht es im digitalen Zeitalter überhaupt noch Sinn, sich mühsam veraltete und analoge Techniken anzueignen, die ohnehin viel leichter von einem Computer oder einer entsprechenden App ausgeführt werden können?
Wir meinen, ja! Und das nicht aus einer romantisierenden und verklärenden Bewahrhaltung heraus nach dem Motto „Früher war alles besser, sondern in erster Linie aufgrund pädagogischer Gesichtspunkte.
Anstrengung kann glücklich machen
Eine Technik zu beherrschen, sei es zu zeichnen, malen, modellieren, Filme zu drehen oder ein Instrument zu spielen, macht glücklich! Zu erfahren, dass sich lange Mühen und zähes Durchhaltevermögen lohnen, ist für Kinder und Jugendliche oft nicht leicht, jedoch eine unbezahlbare Erkenntnis, die lebenslang gebraucht wird, um nicht immer bei der kleinsten Schwierigkeit aufzugeben.
Für immer mehr Dinge können wir einfach digitale Technik verwenden: Das Navigationssystem führt uns wohin wir wollen, ohne dass wir uns ein einziges Mal auf einer Karte orientieren müssen. Die Foto-Funktion des Smartphones erzeugt dank KI trotz schwieriger Umgebungsbedingungen ein perfektes Foto, ohne dass man sich über Belichtungszeit etc. Gedanken machen müsste. Und wer merkt sich noch Telefonnummern, wenn diese jederzeit im Handy abrufbar sind? Digitale Technologien erleichtern einerseits...

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