7. – 9. Schuljahr

Hannah Gottsmann, Michaela Veigl-Meyer

So bin ich!

Selbstinszenierungscollagen mit zeichnerischer Erweiterung

Vorgestellt wird ein Unterrichtsbeispiel, das sich mit dem Thema Alltagsrituale und Macken beschäftigt. Die Schülerinnen und Schüler fertigen zum Thema eine Collage an mit zeichnerischen Erweiterungen.
Wir alle spielen Theater
„Wir alle spielen Theater so tituliert der bekannte kanadische Soziologe Erving Goffman 1966 ein Buch, in dem er seine Position zur Selbstdarstellung der Individuen im Alltag darlegt. Goffman beschreibt die menschliche Interaktion mit der Umwelt als eine Rollenübernahme und Selbstdarstellung. Er vergleicht den Alltag des Menschen mit dem Theater und dem Schauspiel und macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass jede/jeder Einzelne Macken und Marotten besitzt. Diese Eigenheiten entwickeln sich durch Wiederholen zu Ritualen, die später automatisiert ablaufen. In dieser Unterrichtseinheit sollen sich die Schüler ihrer persönlichen Angewohnheiten bewusst werden, um sie später in einer künstlerischen Arbeit, einer Collage, zum Ausdruck zu bringen.
Selbstinszenierung in sozialen Medien und der Bildenden Kunst
In vielen Lehrplänen ist die Beschäftigung mit Selbstinszenierung und digitalen Medien im Fach Kunst vorgesehen. Auch die Lebenswelt der Schüler ist von Social-Media-Plattformen, wie Instagram oder YouTube, stark beeinflusst. Mithilfe von praktischen Arbeiten wie der Anfertigung einer Collage sollen diese Kompetenzbereiche mit ihrer eigenen Lebenswelt verknüpft werden. Dies gelingt durch die Beschäftigung mit den Angewohnheiten und Ritualen der Schüler.
Zur theoretischen Annäherung an das Unterrichtsgeschehen werden Phänomene auf sozialen Plattformen mit der Selbstinszenierung von Künstlern in Bezug gesetzt. Die zeitgenössischen Inszenierungskünstler Andy Kassier und Amalia Ulman (beide Jahrgang 1989) werden im Rahmen eines Infoblatts (s.→ Kopiervorlage ) vorgestellt. Bilder von den Instagram-Accounts der Künstler werden mithilfe einer Mindmap, die gemeinsam an der Tafel durchgeführt wird, in Kategorien wie Kulisse, Requisiten und Kostüm/Haltung eingeordnet. Die Schüler übertragen den Tafelanschrieb auf ein Blatt Papier und ergänzen ihn mit einer ihrer typischen Marotten (bzw. „Macken).
Arbeitsauftrag 1
  • Informiere dich anhand des Infoblatts und im Internet (s. QR-Codes) über die beiden Künstler Andy Kassier und Amalia Ulman.
  • Übertrage die Mindmap (s. Tafelanschrieb) auf ein Papier oder in dein Kunstheft.
  • Notiere weitere Stichpunkte zu den einzelnen Punkten der Mindmap (Kulisse, Requisite, Kostüm) sowie zu einer deiner typischen Marotte (bzw. „Macke).
Collagierte Darstellung der eigenen Marotte
Die Notizen auf der Mindmap dienen der Ideenfindung für die praktische Gestaltung der Collagen. Sie haben die Aufgabe, ihre ausgewählte Marotte durch erzählerische und symbolhafte Bildelemente zu illustrieren. Ausschnitte aus Zeitschriften sowie Zeichnungen dienen als Material. Ein vorab aufgenommenes individuelles Porträtfoto dient als Grundlage für die künstlerische Umsetzung der Selbstinszenierung und wird auf ein A3-Format geklebt. Dieses Porträt wird zum Bildträger für die Kostümierung. Der Vordergrund soll vor allem durch die benötigten Requisiten bespielt werden, da der Bildhintergrund als Bühne fungiert.
Arbeitsauftrag 2
  • Wähle eine deiner Marotten aus, die sich zeichnerisch gut darstellen lässt.
  • Lege dein Porträtfoto auf das Papier.
  • Überlege dir, wie du das Foto durch Zeichnung und Collage ergänzen und verändern kannst, um deiner ausgewählten Marotte (bzw. „Macke) den bestmöglichen Ausdruck zu verleihen.
  • Beachte die Ausgeglichenheit zwischen geklebten und gezeichneten/gemalten Flächen.
  • Bemühe dich um eine spannende Komposition, die das ganze Blatt füllt.
  • Verwende keine Schriftzüge und verbalen Erklärungen für die Gestaltung deiner Marotte.
  • Hast du Schwierigkeiten bei der Ideenfindung, fokussiere dich auf das Sinnesorgan, das bei deiner...

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